Ihr Vorgesetzter fragt in einem Nebensatz, ob Sie das noch mit übernehmen können. Sie sagen Ja, noch bevor Sie überlegt haben, ob dafür überhaupt Zeit ist. Zwei Stunden später sitzen Sie noch am Schreibtisch. Es ist nicht die eine Anfrage, die zu viel war. Es ist die zwanzigste in diesem Monat, und Sie merken, dass sich in Ihnen etwas dagegen sträubt – nicht nur Müdigkeit, sondern der klare Gedanke: Ich will das nicht mehr mitmachen.
Genau an diesem Punkt beginnt für viele Frauen die Suche nach einer Erklärung. Wenn Ihnen diese Situation bekannt vorkommt, sind Sie nicht die Einzige, der Grenzen setzen im Job schwerer fällt als anderen – auch ohne Autismus-Diagnose.
Warum klassische Ratschläge oft nicht greifen
„Sagen Sie einfach Nein“ oder „Setzen Sie klare Grenzen“ sind Sätze, die Sie vermutlich schon oft gehört haben. Das Problem: Diese Ratschläge setzen voraus, dass die Grenze das eigentliche Hindernis ist. Bei vielen autistischen Frauen ohne Diagnose liegt das Problem woanders.
Drei Muster, die häufig zusammenkommen: Verzögerte Selbstwahrnehmung – der Moment, in dem eine Anfrage zu viel wird, fällt oft erst Stunden später auf, wenn die Erschöpfung schon da ist, nicht vorher, wenn ein Nein noch möglich gewesen wäre. Angelernte Anpassung – viele Frauen haben über Jahrzehnte gelernt, Bedürfnisse zurückzustellen, um sozial nicht aufzufallen. Das ist keine Charakterschwäche, sondern eine über viele Jahre eingeübte Strategie, die im Job besonders gut funktioniert – und genau deshalb so schwer aufzugeben ist. Fehlende Vorlage für den Konflikt danach – ein Nein löst oft eine Reaktion beim Gegenüber aus, Nachfragen, kurze Irritation, ein anderer Tonfall. Diese Reaktion richtig einzuordnen, ohne sie sofort persönlich zu nehmen, ist ein eigener Lernschritt.
Der Wendepunkt: wenn Erschöpfung zu Widerstand wird
Es gibt einen Unterschied zwischen müde sein und nicht mehr wollen. Erschöpfung allein führt oft dazu, dass man durchhält, noch eine Weile, noch ein Projekt lang. Der eigentliche Wendepunkt kommt, wenn sich zur Erschöpfung ein klares Nein-Wollen gesellt – wenn Anpassen sich nicht mehr wie eine Option anfühlt, sondern wie ein Zustand, den man beenden will. Dieser Moment ist unangenehm, aber er ist auch der Moment, in dem echte Veränderung möglich wird, weil die Energie für den ersten Schritt bereits da ist.
Was tatsächlich hilft
Grenzen setzen lässt sich üben, aber nicht über Willenskraft allein. Es braucht konkrete Formulierungen, die im Moment verfügbar sind – nicht erst danach, in der Rückschau. Und es braucht ein realistisches Bild davon, wie viel Kapazität an einem bestimmten Tag tatsächlich vorhanden ist, statt eines allgemeinen Anspruchs an sich selbst. Das lässt sich erarbeiten. Nicht in der Theorie, sondern anhand Ihrer konkreten Situation im Job.
Akutsprechstunde bei Autismus: Unterstützung innerhalb von 48 Stunden
Manchmal reicht es nicht, das Thema zu verstehen – manchmal steht in dieser Woche schon die nächste Situation an, in der eine Grenze gezogen werden muss. Für genau diesen Fall gibt es die Akutsprechstunde: eine Einzelsitzung, buchbar ohne Wartezeit, mit Termin innerhalb von 48 Stunden, auch am Wochenende. Sie bringen die konkrete Situation mit, wir erarbeiten gemeinsam, was in diesem Fall wirklich hilft.
Häufige Fragen
Brauche ich eine Autismus-Diagnose für die Akutsprechstunde? Nein. Die Akutsprechstunde richtet sich ausdrücklich auch an Frauen ohne Diagnose, die sich in autistischen Mustern wiedererkennen.
Wie schnell bekomme ich einen Termin bei der Autismus-Sprechstunde? Innerhalb von 48 Stunden nach Buchung, einschließlich Wochenende.
Für wen ist Grenzen setzen im Job bei Autismus besonders schwer? Besonders betroffen sind berufstätige Frauen in Positionen mit hoher Verantwortung, die über Jahre gelernt haben, eigene Bedürfnisse zugunsten von Funktionieren und Anpassung zurückzustellen.


