Sie müssen nicht zu Treffen gehen. Das gilt für Familienfeiern, Abendessen mit Freunden, Betriebsfeiern und Netzwerkveranstaltungen etc. Als autistischer Mensch dürfen Sie anders entscheiden als die Menschen um Sie herum. Sie brauchen dafür keine Diagnose, kein Attest und keine Begründung. Wenn Sie nicht hingehen möchten, ist das ausreichend. Das gilt für alle Menschen allgemein. Niem,and sollte sich zu einem Treffen zwingen oder sich schlecht fühlen, wenn er hingeht.
Warum sind Treffen für autistische Menschen so anstrengend?
Bei einem Treffen verarbeitet Ihr Gehirn gleichzeitig Stimmen, Geräusche, Licht, Gerüche, Mimik und Tonfall. Es plant Antworten und beobachtet, wann Sie sprechen können. Viele autistische Menschen verbergen dabei ihre natürlichen Reaktionen. Dieses Verhalten heißt Masking. Es funktioniert über Stunden, führt aber zu sozialer Erschöpfung, Reizüberflutung und manchmal zu einem Zusammenbruch am Abend oder an den Tagen danach. Ihre Anstrengung ist real, auch wenn andere sie nicht sehen.
Brauche ich eine Diagnose, um ein Treffen abzusagen?
Nein. Sie brauchen weder eine Autismus-Diagnose noch ein Attest. Ihre Entscheidung gehört Ihnen. Auch wenn Sie nur vermuten, dass Sie im Autismus-Spektrum sind, zählt Ihr eigenes Erleben. Wenn Sie nach Treffen tagelang erschöpft sind, ist das eine wichtige Information über Ihr Nervensystem.
Warum fällt es so schwer, Nein zu sagen?
Viele autistische Menschen haben früh gelernt, sich anzupassen. Wer als Kind genau beobachtet hat, was von ihm erwartet wird, und das erfüllt hat, erlebt ein Nein als Regelverstoß. Dazu kommen Gedanken wie „Die anderen schaffen das auch“ oder „Es ist nur ein Abend“. Diese Gedanken sind verständlich, aber sie sind keine Tatsachen. Sie sind nicht verpflichtet, sich so zu verhalten wie die Mehrheit. Anders zu sein ist kein Fehler.
Wie sage ich freundlich und klar ab?
Eine Absage braucht keine lange Begründung. Kurze, ruhige Sätze genügen, zum Beispiel: „Ich komme diesmal nicht. Ich wünsche euch einen schönen Abend.“ Oder: „Ich nehme an dem Treffen nicht teil.“ Wenn jemand nachfragt, wiederholen Sie denselben Satz in gleicher Ruhe. Sie müssen niemanden überzeugen und nichts erklären. Eine Absage ist keine Ablehnung der anderen Menschen. Sie ist eine Entscheidung für Sie und Ihre Gesundheit.
Was kann ich nach einer Absage tun?
Nach einer Absage können Schuldgefühle entstehen. Das ist normal und zeigt nicht, dass Ihre Entscheidung falsch war. Gefühle und Entscheidungen sind zwei getrennte Dinge. Planen Sie für diesen Tag etwas, das Ihrem Körper guttut: zum Beispiel Ruhe, gewohntes Essen, gedämpftes Licht oder Stille. Wenn andere mit Unverständnis reagieren, bleibt Ihre Entscheidung trotzdem gültig. Wer die Belastung nicht selbst erlebt, kann sie schwer nachvollziehen.
Gibt es Alternativen zum Absagen?
Absagen ist immer möglich und völlig ausreichend. Falls Sie den Kontakt zu einzelnen Menschen gern behalten möchten, gibt es Wege, die manche autistische Menschen als angenehmer erleben. Sie können zum Beispiel eine einzelne Person zum Kaffee oder zu einem Spaziergang treffen. Sie können auch erst später dazukommen oder früher gehen, wenn Sie selbst das möchten. Das sind Angebote und keine Erwartungen. Sie entscheiden jedes Mal neu.
Häufige Fragen
Ist es egoistisch, ein Treffen abzusagen? Nein. Wer die eigenen Grenzen schützt, schützt auch die eigene Gesundheit. Dauerhafte Überforderung führt zu Rückzug und Burnout.
Muss ich meine Absage erklären? Nein. Sie können erklären, wenn Sie möchten. Sie müssen es nicht.
Muss ich irgendwann wieder hingehen? Nein. Sie entscheiden bei jeder Einladung neu, ohne Verpflichtung.
Ihre Entscheidung ist gültig
Nicht hinzugehen ist eine vollständige und gültige Entscheidung. Sie schützen damit Ihr Nervensystem und Ihre Gesundheit. Wenn Sie Unterstützung wünschen, begleite ich Sie im Autismus-Coaching online dabei, Ihre Grenzen zu erkennen, klar zu formulieren und im Alltag zu halten.


